Wie wär´s mit ein bißchen Wiedervereinigung?

Hier eine kleine Zusammenfassung zum Thema: 1989 – Was möglich gewesen wäre.

Da fällt mir nur eins ein: DANKE IHR VERDAMMTEN DEMOKRATISCHEN VERBRECHER! AUCH DAS WIRD DAS DEUTSCHE VOLK NIE VERGESSEN!

Auszug:

Nein, selbstverständlich nicht. Die Russen waren ja nicht lebensmüde. Es treibt mir die Tränen in die Augen, dass er das Wort strategisch in Anführungsstriche setzte: „strategisch“ genannte Präsenz in der DDR, und dass er dann allen Ernstes fortsetzte: „Die deutsche Frage wurde vieldeutig diskutiert, eine klare Haltung war nicht auszumachen. Gewiß, die deutsch-polnische Nachkriegsgrenze wollte man festgeschrieben wissen. Und sonst?“

Was, und sonst? Über Jahrzehnte ging es um zwei Themen. Es ging um die Frage der Grenzen der Sowjetunion, der ČSSR, Polens und Österreichs, sowie um die Frage der Sicherheit vor einem weiteren Krieg mit Deutschland oder mit anderen Staaten. Und um nichts sonst. Es war nicht unberechtigt, dass formuliert wurde, Egon Bahr sei der strategische Kopf hinter Brandt gewesen. Und nachdem Bahr die Seiten gewechselt hatte, war Brandt kopflos, weil er weder juristisch noch außenpolitisch und schon gar nicht strategisch dachte. Ich vermag nicht zu sagen, ob er es bei gutem Willen gekonnt hätte.

Einen Höhepunkt erreichte die Verdummung durch die „freien“ oder sagen wir besser die frei verkäuflichen Medien am 13. November 2006. Die B.Z. – Berlins größte Zeitung wartete an jenem Tag auf ihrer Frontpage mit dem Slogan auf: „Neue Geheimakten in Moskau aufgetaucht. Wollte Brandt die Einheit verhindern?“ Der 13. November war ein Montag, so konnten das die Leute mitnehmen zu ihren Arbeitsstellen, und in ihren Pausengesprächen ihren bisherigen Eindruck von Willy Brandt revidieren. Auf Seite drei war dann in Übergröße, damit dass auch wirklich niemand übersehen konnte, das Foto eines Gespräches zwischen Gorbatschow und Brandt, und ganz groß stand in dem Bild: „Wollte Brandt die Einheit nicht? Drei Wochen vor dem Mauerfall lehnte der Alt-Kanzler die Wiedervereinigung als ‘unmöglich’ ab.“ Darunter wurde noch einmal eine Menge warme Luft geschrieben, damit der Artikel auch sehr viel Platz einnahm. Der zentrale Satz, den da einer der Verdummungsspezialisten entdeckt hatte, und auf den man das Publikum nun aber mal wirklich aufmerksam machen musste, wurde extra noch unterstrichen. Der Satz bezog sich auf Brandts Unterredung am 17. Oktober 1989 in Moskau und lautete: „Die Wiedervereinigung bedeutet eine Rückkehr zur Vergangenheit, was erstens unmöglich ist und zweitens nicht unser Ziel sein kann.“

Es fehlte natürlich die Wiedergabe der Formulierung Gorbatschows, auf die Brandt hier reagiert hat, und genauso selbstverständlich fehlte der Hinweis, dass Brandt das Wort Wiedervereinigung immer nur im Sinne der Wiedergewinnung der früheren deutschen Ostprovinzen verstanden hatte, und den Begriff ablehnte, weil er die Vereinigung in den Grenzen des Jahres 1945 seit 1945 unmöglich machte. Erlauben Sie mir, eine erklärende Passage bei Brandt hier zur Illustration zu wiederholen: „Wie also konnte ein prominenter Unionspolitiker wie Rainer Barzel noch Jahre später behaupten, wir hätten uns durch die Ostverträge verpflichtet, ‘von Wiedervereinigung nicht mehr zu sprechen‘? Im gleichen Zusammenhang war davon die Rede, ich hätte mich negativ zur Wiedervereinigung geäußert; das macht Sinn nur für den, der meine Gründe gegen das rückwärtsgewandte ‘Wieder‘ nicht zur Kenntnis nehmen wollte und will.“

Wenn er diesen Gedanken doch nur einmal komplett und in einem vollständigen Satz ausformuliert hätte. Ihm hätte man den Zugang zu den Medien nicht verweigern können und er hätte seinen Mitbürgern sagen können, dass es seit Jahrzehnten nur um dieses eine Thema ging. Abgerundet wurde die mediale Volksverdummung mit einem kleinen Foto, das unten Willy Brandt angeblich bei der Einheitsfeier im Oktober 1990, auf jeden Fall aber neben Oskar Lafontaine zeigte. Mit diesem Taschenspielertrick wurde darauf zurückgegriffen, dass sich das Publikum selbstverständlich daran erinnert, dass Lafontaine seine Zuneigung zu den Ossis 1990 noch nicht entdeckt hatte, und Brandt wurde inhaltlich in das Lager der Einheitsgegner geschoben.

Aber zurück in das Jahr 1989. Nach seiner Rückkehr aus Moskau unterrichtete Brandt am 18. Oktober Helmut Kohl über seine Gespräche. Und kurz danach traf Brandt zusammen mit dem später noch viel berühmter gewordenen Gerhard Schröder vom richtigen Ufer der SPD den früheren sowjetischen Botschafter in Bonn, Valentin Falin.

Auf dem Rückflug aus Moskau nach Ost-Berlin machte Egon Krenz am 2. November noch einen Zwischenstopp in Warschau. „Bei seinem Antrittsbesuch in Polen wird Krenz auf dem Warschauer Flughafen von ‘guten Freunden‘ empfangen. Wenig später, auf Schloss Belvedere, teilt der kommunistische Staatspräsident Wojciech Jaruzelski dem Genossen aus Ost- Berlin Tröstliches mit. Die Staaten Westeuropas seien ebenso wie Polen strikt gegen eine Wiedervereinigung Deutschlands, versichert der Präsident dem tief verunsicherten Krenz. Ein Stenograf hält Jaruzelskis Worte fest: ‘In meinen Gesprächen mit Cossiga, Andreotti, Mitterrand und Thatcher sagten sie auch, dass (eine Wiedervereinigung) überhaupt nicht möglich sei. Frau Thatcher erklärte in einem Vier-Augen-Gespräch, eine Wiedervereinigung sei absolut unannehmbar. Man dürfe keinen Anschluss zulassen, sonst würde die BRD auch noch Österreich schlucken. Das wäre eine reale Kriegsgefahr. Öffentlich geben sie das natürlich nicht zu, aber sie sind sich dessen bewusst, was das bedeuten würde’.“

Man möchte es ja kaum glauben, dass auch ein neuerlicher Anschluss Österreichs noch 1989 im Bereich des Möglichen lag, aber auch bei Brandt hatte ich bezogen auf die sechziger Jahre gefunden: „Nachdem de Gaulle mehr als einmal auch von Österreich gesprochen hatte, sah ich mich regelrecht genötigt hinzuzufügen: Es gebe keinen Verantwortlichen in Deutschland, der erneut an einen Anschluß denke.“ Der Jura-Totalverweigerer sah sich regelrecht genötigt. Oh Gott, oh Gott! Genötigt sah er sich. Vielleicht hätte er es ja mal mit einer juristischen Festlegung probieren sollen. Schuster bleib bei deinen Leisten. Es sollte sich nicht jeder an jedem Beruf versuchen, um nicht „eine Sprosse zu hoch zu greifen“, wie es Christel Guillaume unausgesprochen gelassen hatte.

Für diejenigen, die bisher daran zweifelten, dass Bonn über viereinhalb Jahrzehnte nach einem und demselben Plan vorging, erinnere ich hier noch einmal an das Sonderungsgespräch der beiden amerikanischen Offiziere mit dem späteren Kanzler der Bundesrepublik Ende März 1945: „Adenauer erläuterte dann seine Vorstellung von einer idealen Lösung: Errichtung eines Bundesstaates aus Österreich, den Resten Preußens, Westdeutschland (Westfalen und Rheinland) und Süddeutschland.“ Damals dürften die Amerikaner froh gewesen sein, überhaupt ein paar Leute zu haben, denen sie einige Segmente der deutschen Innenpolitik anvertrauen konnten. Die haben sich vielleicht gedacht, sie sind ja jetzt da, dann kann der Mann keine Faxen machen. Einen Weststaat wollten die Alliierten nicht und Österreich bekam der alte Mann nicht. Und weil er 1945 schon ein alter Mann war, würde er später ohnehin keine Rolle mehr spielen. Wie hätten sie denn ahnen können, dass der alte Mann jetzt erst mal richtig Gas gibt und dann ab 1949 vierzehn Jahre lang Kanzler bleiben würde?!

Kohl verhindert weiterhin die Lösung der deutschen Frage

Die Geschichte wird bekanntermaßen immer erst hinterher zu Papier gebracht, sonst hätten die handelnden Politikern ja keine Möglichkeit groben Unfug zu bauen. „Valentin Falin lüftete gegenüber dem Autor ein Geheimnis: »Mitte der 80er Jahre machte ein sehr bekannter Politiker aus der Bundesrepublik den Sowjets ein Angebot: Wenn Moskau die DDR aus dem Warschauer Pakt entlassen würde und die DDR einen Status wie Österreich bekäme, dann würden die Sowjets 100 Milliarden D-Mark als nicht rückzahlbaren Kredit erhalten. Dahinter standen sehr mächtige Kräfte in der Bundesrepublik.« Auch mehrmaliges Nachfragen brachte keine weitere Aufklärung über den Mann, der da im Namen potenter westdeutscher Kreise den Sowjets ein solches Angebot gemacht hatte. Zu erfahren war nur, dass er eine wichtige konservative Persönlichkeit der alten Bundesrepublik gewesen war.

Quelle

oder:

Intimfeinde – Die Selbstteilung der Deutschen und der Kalte Krieg, ISBN 978-3-86611-450-0, pro literatur Verlag, Augsburg 2009, 328 S., 18 Euro

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Ein Kommentar

  1. Ein paar Gedanken zur BRÖ « Ostmaerker

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