Rothschildschloss

Geschichte

Vor einigen Jahren erwarb die Stad Waidhofen von den Bundesforsten das Waidhofner Schloss, in dem bis dahin die Forstfachschule untergebracht war.
Damit stellte sich auch die Frage, welchem Zweck das so genannte Rothschild – Schloss zugeführt werden sollte.
Für mehr als 100 Jahre war die alte Burg- und Schlossanlage, die Jahrhunderte lang die Geschiche der Stadt mit prägte, als abgeschlossenes Areal dem Bewusstsein der Waidhofner Bevölkerung nahezu entglitten.

Die Initialzündung für eine neue und intensive Beschäftigung mit dem Bauwerk und seiner Geschichte war der Zuschlag für die Landesaustellung 2007.
Der dafür notwendige Umbau des Schlosses, durch Architekt Prof. Dr. Hans Hollein, führte auch dazu, sich mit der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner auseinanderzusetzen.

Das Schloss hatte im Lauf seiner Geschichte schon viele Veränderungen, Zubauten und Neuerungen erlebt. Die ältesten Bauteile befinden sich dabei an der Ostfassade und schließen auch den kleinen Turm ein, der heute durch sein pyramidenförmiges Glasdach hervorsticht.

Das Schloss als Zentrum der Rothschild-Domänen im Mostviertel

Als Albert von Rothschild das Schloss 1875 erwarb ließ er schon einige Jahre darauf den Umbau durch den Dombaumeister der Bauhütte St. Stephan in Wien Friedrich von Schmidt ausführen. Schmidt hatte sich seit den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts einen Namen als Restaurator mittelalterlicher Burgen und Baumeister neugotischer Bauwerke, wie die Wiener Votivkirche und das Rathaus gemacht und war deshalb wohl von Baron Rothschild beauftragt worden.

Die Arbeiten konzentrierten sich auf den Ausbau des Innenhofes mit einem Arkadengang und die Errichtung des Stöckl-Gebäudes, wobei die Entwürfe Schmidts zeigen, dass nicht alle Bauten in der von ihm geplanten Form ausgeführt wurden. Offensichtlich hatten die Bauherren auch ihre eigenen Vorstellungen, die sie mit einbrachten. So berichtet zum Bei

spiel der Waidhofner Historiker Otto Hierhammer von einer Episode, bei der Baronin Rothschild die Kerkergewölbe im Untergeschoss des Bergfrieds besichtigte und angesichts der dort vorgefundenen Skelettreste befahl, diese Kellergewölbe zuzuschütten. Die Innenausbauten im Schloss beschränkten sich auf den Ausbau der vorhandenen Substanz. 1890 wurde der Umbau des Schlosses durch den Bau der neuen Schlossbrücke beendet.

Als Louis Rothschild 1911 das Schloss übernahm, ließ er es komplett neu mit französischen Möbeln umgestalten und machte es zu einem eleganten Domizil, in dem sich die Familie gerne aufhielt. Das Schloss diente nicht nur als Wohnresidenz der Familie bei ihren Besuchen in Waidhofen, sondern auch als Zentrale der Forstverwaltung für die riesigen Domänen der Rothschilds um Waidhofen und im Dürrensteingebiet. Der Schlosspark wurde dabei umgestaltet. Die Schwarzbachfront wurde mit einem E-Werk zur Versorgung des Schlosses aufgerüstet und ybbsseitig ein Spazierweg angelegt, der heute als Bestanteil des Schlossparks wieder begehbar ist. Das kleine E-Werk wurde im Rahmen der Landesausstellung zu einer Schauschmiede mit angeschlossener Rauchkuchl umgestaltet.

Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich hatte es dessen Führungsspitze sehr eilig, Zugriff auf das Vermögen der jüdischen Bevölkerung zu erhalten. Besonders die Familie Rothschild war eines der ersten Opfer. Das Familienoberhaupt Louis de Rothschild wurde 1938 mehrere Monate inhaftiert, um dadurch in den Besitz der Hüttenwerke in Böhmen zu kommen und sowohl er als auch die Familie von Alphonse mussten beim Verlassen des Landes ihre Kunstsammlungen zurücklassen. Auch das Schloss in Waidhofen wurde enteignet und die Kunstschätze, darunter Bilder von Gainsbourough, Romney und Boucher, sowie wertvolle Fayancen inventarisiert und wegtransportiert.

Während des Krieges wurde das Schloss unter anderem als Depot für die Archivalien der Stadt benutzt. Am Ende des Krieges war es Schauplatz einer weiteren historischen Episode. Die Reste der Heeresgruppe Ostmark unter General Rendulic hatten sich im Waidhofner Schloss einquartiert und die Bevölkerung fürchtete, dass Waidhofen Schauplatz eines letzten verzweifelten Abwehrgefechts gegen die anrückenden sowjetischen Truppen sein würde.

Diese deutschen Resteinheiten repräsentierten das, was von der lange propagierten und auch von den Alliierten gefürchteten Alpenfestung übrig geblieben war. Nur wenige Tage vor Kriegsende und mit einem Tag Vorsprung vor den aus dem Osten anrückenden Sowjets rückten amerikanische Truppen, die sich in Steyr befanden, über den Taleinschnitt des Nellingbaches Richtung Waidhofen vor, ohne auf Widerstand zu stoßen.

Der mutige Vorstoß eines amerikanischen Offiziers, der die Deutschen zur Kapitulation aufforderte, verhinderte für die Stadt weitere Kampfhandlungen. General Rendulic begab sich in amerikanische Gefangenschaft und die am nächsten Tag einrückenden Sowjets konnten Waidhofen in Besitz nehmen, und es für die nächsten 10 Jahre ihrem Besatzungsgebiet einfügen. Man darf annehmen, dass die lang andauernde militärische Besetzung schlimme Spuren im Schloss hinterließ.

Als Ende der 40er Jahre die Rothschilds ihre Besitzungen zurück bekamen, vermachte Louis, der inzwischen in die USA ausgewandert war, die Waidhofner Domänen mit dem Schloss als Sitz der Forstverwaltung dem österreichischen Staat mit der Auflage, für seine ehemaligen Arbeiter einen Pensionsfonds einzurichten, der ihnen finanzielle Absicherung garantierte.

In der Nachfolge der früheren Nutzung des Schlosses wurde die Verwaltung der Güter an die Bundesforste übergeben, die eine Forstfachschule errichteten, die bis 2002 dort beheimatet war und heute noch als einklassige Forstschule an einem anderen Standort in Waidhofen weiter besteht.

Kristallsaal
Im Rahmen einiger Immobilienverkäufe des Bundesministeriums wurde auch das ehemalige Rothschildschloss zum Verkauf angeboten und von der Gemeinde 2003 erworben. Heute glänzt das Schloss, das vom Stararchitekten Hans Hollein mit sensibler Rücksichtnahme auf die mittelalterlichen Baustrukturen umgebaut wurde, durch moderne gläserne Aufbauten, die die Proportionen von Schloss und Turm wiederherstellen. Im Inneren bildet der ebenfalls von Hollein geplante und spektakuläre Kristallsaal das Zentrum des Schlosses, das als lebendiges Veranstaltungszentrum mit kulturtouristischer Nutzung der Mittelpunkt des Waidhofner Kulturlebens ist.

Quelle

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