Neuer Trend: Wirtschaftsnachrichten werden von Robotern geschrieben

In den USA wurde ein Algorithmus entwickelt, der aus Börsendaten vollautomisch Finanznachrichten erzeugt. Damit können künftig Roboter bestimmen, was von automatisierten Tradern – sogenannten Handelsalgorithmen – gekauft und verkauft wird. So können mit manipulierten Fakten in Sekundenbruchteilen gewaltige Gewinne gemacht werden, ohne dass auch nur eine menschliche Hand eine Computertastatur berührt.

Wie die US-Medienwebsite Mediabistro berichtet, verwenden bereits 30 Medienunternehmen die Software „Narrative Science“ zur Erstellung von vollautomatisierten Nachrichten. Zu den Kunden gehören auch die Wirtschaftsinformationsdienste Forbes und, einem Bericht der New York Times zufolge, der Finanzinformationsdienst Hanley Wood.

Das Programm kann, wie auf der Unternehmenswebsite beschrieben, „aus Daten ausführliche Berichte“ erstellen. Die Artikel werden automatisch aus den Daten generiert. Sie können „komplett auf Tonfall und Stil der Anbieter angepasst werden“. Die Geschichten „werden in vielfältigen Formen verfasst, einschließlich langer Beiträge, Überschriften, Tweets und Industrie-Reports mit Grafiken“.

Bei den Artikeln ist bis auf minimale Kleinigkeiten nicht zu erkennen, dass sie vollständig maschinell erstellt wurden (siehe Screenshot von Forbes am Ende dieses Artikels; Forbes-Roboter-Artikel – hier).

Damit kommen die internationalen Finanzmärkte ihrem Ziel der vollständigen Automatisierung einen wesentlichen Schritt näher. Schon heute spielen sogenannte Handelsalgorithmen eine wichtige Rolle im Trading. Roboter reagieren auf Börseninformationen, indem sie in Sekundenschnelle Handelsaktivitäten entfalten und damit jenen, die sie einsetzen, die entscheidenden Kursvoteile verschaffen.

Das aus dem bayrischen Chiemgau stammende Analysten-Unternehmen Prime Quants hat in einem interessanten Beispiel nachvollzogen, wie das läuft: Als Anfang Februar die neuen Arbeitslosenzahlen für die USA veröffentlicht wurden, hatte das Bureau for Labor Statistics (BLS) eine Überraschung parat: Die Zahlen war, dank eines an plumpe Manipulation grenzenden Tricks, ausgesprochen positiv (mehr zum Trick – hier). Das BLS meldete einen Zuwachs von 243.000 neuen Stellen, während die meisten Volkswirte lediglich mit einem Anstieg von rund 140.000 gerechnet hatten. Prime Quants: „Die wirkliche Überraschung liegt allerdings in der schnellen Reaktion, mit der die Märkte daraufhin nach oben katapultiert wurden. “

Und so stellte sich die Kursentwicklun g auf der Zeitleiste dar:
14.30 Uhr und 0 Sekunden
Das US-Arbeitsministerium verkündet die Beschäftigungszahlen für den Monat Januar
14.30 Uhr und 1 Sekunde
Die Handelsalgorithmen schlagen zu. Berücksichtigt man dabei die Zeit, die die Order für den Weg zum elektronischen Handelsraum braucht, dann kann man davon ausgehen, dass hier nur Profis mit einer direkten Standleitung zum Zug gekommen sind. Der DAX legte innerhalb einer Sekunde 16,68 Punkte zu.
14.30 Uhr und 2 Sekunden
Der DAX springt auf den höchsten Stand seit August. Das Plus beträgt nun bereits 27,42 Punkte.
14.30 Uhr und 3 Sekunden
Während normale Menschen nun langsam die Finger an die Maus geführt haben, erweitert der DAX das Plus auf 38,98 Punkte.
14.30 Uhr und 4 Sekunden
Während der Mensch nun die neuen Beschäftigungszahlen gelesen hat, katapultieren die Trading-Roboter den Markt auf 6.710,03 Punkte. Das Plus beträgt jetzt 50,48 Zähler – wohlgemerkt in 4 Sekunden.
14.30 Uhr und 10 Sekunden
Der DAX erreicht ein Zwischen-Hoch bei 6.730,07 Punkten, nachdem der Index nun innerhalb von 10 Sekunden 70,52 Zähler gewonnen hat. Nun folgen alle die schnell sein wollen, aber eigentlich schon zu spät sind und mit der Technik nicht mithalten können.

Prime Quants merkt an: „Während innerhalb der ersten 10 Sekunden 70,52 Punkte gewonnen wurden, legte das Leitbarometer in den folgenden 8 Minuten und 37 Sekunden lediglich weitere 29,93 Zähler zu.“

Durch Narrative Science werden journalistische Überprüfungen der Richtigkeit zur reinen Belletristik: Sie haben keinerlei Einfluss mehr auf das Trading. In der Regel braucht die Recherche von so komplexen Themen wie jenen der fragwürdigen Zahlen des BLS Stunden, oft Tage. Für die Märkte sind die Ergebnisse, die am Ende unter Umständen ganz andere Fakten zu Tage fördern als die veröffentlichte PR, völlig unerheblich. Die Gewinne sind realisiert, die Kasino-Teilnehmer können sich die Hände reiben.

Die Technologie von Narrative Science wurde an der Northwestern University entwickelt. Interessanterweise haben Journalisten an der Entwicklung mitgewirkt. Das Projekt ist eine Partnerschaft zwischen McCormick und der Medill School of Journalism. Seinen Ursprung hat die Technologie im Sportjournalismus: Die Computer wurden mit den Rohdaten von Sportereignissen gefüttert, herauskamen perfekte Artikel, inklusive der automatischen Bestimmung des besten Spielers.

Einen Mangel hat das Programm jedoch: Ironie und Sarkasmus können nicht in befriedigender Weise eingestellt werden. Vermutlich ist das allerdings nur eine Frage der Zeit. Bis dahin werden die Deutschen Mittelstands Nachrichten weiter von Hand gefertigt.

Dieser Artikel auf Forbes wurde vollständig von einem Roboter erstellt.Dieser Artikel auf Forbes wurde vollständig von einem Roboter erstellt.Quelle
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