Dallara: Wenn zu viele Banken den Schuldenschnitt ablehnen, bricht das System zusammen

Ein Schuldenschnitt für Griechenland wäre für viele deutsche Banken nicht ohne Folgen. Wegen der niedrigeren Zinsen rechnen die meisten mit 70% Wertberichtigungen. Beim Internationalen Bankenverband ist man sich offenbar auch nicht ganz sicher, ob genügend Banken mitziehen.

Der Chef des Internationalen Bankenverbandes (IIF), Charles Dallara, sagte in einem BBC-Interview, dass das ganze Griechenland-Paket noch durch die Ablehnung der Banken platzen könne. Auf die Frage der BBC, warum die Banken einem Verlust von 70% zustimmen sollten, wenn sie stattdessen über die Kreditausfallversicherungen (CDS) 100% bekommen könnten, sagte Dallara: „Wenn zu viele in diese Richtung gehen, bricht das System zusammen, und wir werden keinen erfolgreichen Abschluss dieses Deals haben.“

Charles Dallara ist vorsichtig geworden, wenn es um die Reaktion der Banken auf den Schuldenschnitt geht. (Foto: BBC)Charles Dallara ist vorsichtig geworden, wenn es um die Reaktion der Banken auf den Schuldenschnitt geht. (Foto: BBC)

Dallara übte sich in dem Interview dennoch in Optimismus und meinte, diejenigen, mit denen er gesprochen habe, wollten alle mitziehen – wenn sie die Details kennen. Diese Einschätzung klingt eher nach diplomatischer Floskel als nach felsenfester Überzeugung oder gar Kenntnis von Entwicklungen. Denn tatsächliche kennt noch niemand die Details der Schuldenschnitts. Und viele kennen auch die Hedge Fonds nicht, die die griechischen Papiere halten und die sich zuversichtlich geben, wenn es um das Einklagen bei einer Zwangsumschuldung geht (hier). Und daher hält sich Dallara vergleichsweise bedeckt. Er sagte unter anderem, dass es nun eine wirtschaftliche Entscheidung für jeden einzelnen Gläubiger sei, wie er sich verhalten wolle. Das Recht zu klagen könne niemandem genommen werden.

Bei den deutschen Banken gibt man sich ebenfalls abwartend. Bei den Landesbanken und Sparkassen, der Commerzbank, dem Rückversicherer Munich Re, der Deutschen Bank und der FMS Wertmanagement (Bad Bank der Hypo Real Estate) will man nun einmal den Vorschlag studieren.

Die Institute sind unterschiedlich in Griechenland engagiert: Im Gegensatz zu den Landesbanken und den anderen Anleihehaltern ist das Griechenland-Engagement der Sparkassen relativ gering. Der Rückversicher Munich Re verfügte Ende 2011 über einen Bestand griechischer Anleihen im Wert von nur mehr 400 Millionen Euro. Die FMS Wertmanagement beispielsweise gibt in ihrem Halbjahresbericht ein deutlich höheres Griechenland-Portfolio an, das zum 30.6.2011 einen Nominalwert von 8,8 Milliarden Euro hatte.

Grundsätzlich ist eine Tendenz der deutschen Banken hin zum Schuldenschnitt zu erkennen. Sie beziffern den Wertberichtigungsbedarf mit rund 70 Prozent ihrer bestehenden Engagements, was vor allem auf die geplante Zinssenkung beim Bond-Tausch zurückzuführen ist. Diese Haltung der deutschen Anleihe-Halter gegenüber dem Schuldenschnitt bestätigt auch der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer. In „den vergangenen Monaten haben sich die Institute auf die kommende Umschuldung eingestellt und einen Teil der Abschreibungen bereits vorweggenommen“, heißt es in einem Statement von Michael Kemmer. „Deshalb gehe ich davon aus, dass sich die privaten Gläubiger insgesamt zahlreich an dem Kompromiss beteiligen werden.“

Quelle

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