Deutsche Millionenförderung für Jad Vaschem

 (dapd). Deutschland unterstützt die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Israel in den kommenden zehn Jahren mit einer Förderung in Millionenhöhe. Außenminister Guido Westerwelle und der israelische Erziehungsminister Gideon Saar unterzeichneten dazu am Mittwoch in Jerusalem ein Abkommen. Die Bundesregierung wird die Arbeit der Gedenkstätte demnach von 2012 bis 2021 mit einer jährlichen Summe von einer Million Euro fördern. Der Beitrag ist für pädagogische und archivarische Zwecke bestimmt, um die Erinnerung an die Geschehnisse des Holocaust aufrechtzuerhalten.

Jad Vaschem ist die zentrale israelische Gedenkstätte für die mehr als sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust. Die Einrichtung wurde 1953 als ein Zentrum für Dokumentation, Erforschung, Pädagogik und Gedenken gegründet. Jad Vaschem verfügt über das weltweit größte Dokumentationsarchiv über den Holocaust.

Die Bundesregierung hatte die Gedenkstätte bereits in der Vergangenheit finanziell gefördert, vorwiegend aber auf Projektbasis. Nun wurde erstmals eine langfristige institutionelle Unterstützung vereinbart.

Westerwelle sagte, er sei froh, dass es nach „intensiven Verhandlungen“ nun zu der Unterzeichnung komme. Dies sei ein „berührender Moment“. Es gehe um ein Programm des Erinnerns. Das „dunkelste Kapitel unserer Geschichte“ dürfe nicht in Vergessenheit geraten. „Wir kennen unsere historische Verantwortung und wissen, dass wir nie vergessen dürfen, was geschehen ist“, betonte der Minister. „Kommende Generationen müssen aus dieser schrecklichen Zeit lernen.“

Auch Saar sprach von einem wichtigen Moment. Das Geld fließe in die Erinnerungsarbeit, aber auch in die pädagogische Arbeit. Die Aufklärung der jungen Generationen sei entscheidend, um solche Gräuel in der Zukunft zu verhindern.

Der Vorsitzende der Gedenkstätte, Awner Schalew, sagte, die Förderung aus Deutschland sei nicht nur eine materielle Unterstützung, sondern auch ein symbolischer Akt.

Nach der Unterzeichnung des Abkommens traf sich Westerwelle in der Gedenkstätte mit mehreren Holocaust-Überlebenden zu einem Gespräch.

Deutschland hat laut Auswärtigem Amt seit 1945 mehr als 68 Milliarden Euro Entschädigung und Wiedergutmachung an Holocaust-Überlebende gezahlt. Derzeit fließt eine Milliarde jährlich an Überlebende – unter anderem in Form von Rentenzahlungen.

dapd

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Yad Vashem langfristig aus deutscher Kasse gefördert

Jahrzehntelang gab es keine offiziellen Kontakte zwischen Yad Vashem und der Bundesregierung. Jetzt wird die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem langfristig aus der deutschen Staatskasse gefördert. Westerwelle spricht von einem „Programm gegen das Vergessen“.

Außenminister Guido Westerwelle hat am Mittwoch ein Finanzierungsabkommen mit Israel unterzeichnet – Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll langfristig gefördert werden© Gali Tibbon/AFP

Deutschland hat der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erstmals langfristige finanzielle Hilfe zugesichert. 10 Millionen Euro sollen im nächsten Jahrzehnt für die Archivierung und Erschließung von Dokumenten sowie für pädagogische Zwecke verwendet werden. „Wir finanzieren hier ein Programm gegen das Vergessen“, sagte Außenminister Guido Westerwelle am Mittwoch bei der Unterzeichnung des Finanzierungsabkommens in Jerusalem. Die Förderung der Gedenkstätte sei ein klares Bekenntnis Deutschlands zur Freundschaft mit Israel. „Das dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte darf nicht in Vergessenheit geraten.“

Westerwelle traf in Yad Vashem auch drei Überlebende des Holocaust. Die 80-jährige Vera Dotan, die im Holocaust ihre Familie verlor, Auschwitz aber selbst wie durch ein Wunder überlebte, dankte dem Minister für die Förderung. „Wenn es aus Deutschland kommt, hat es vielleicht noch mehr Wert“, sagte die aus Budapest stammende Frau.

Langfristige Unterstützung gesichert

Yad Vashem ist die weltweit größte Holocaust-Gedenkstätte. In den Archiven liegen 130 Millionen Dokumente, 385.000 Fotos, 2,2 Millionen Seiten mit Berichten von Zeitzeugen, 200.000 Stunden Audio- und Videoaufzeichnungen, sowie 117.000 Bücher in 54 Sprachen. Zu der Gedenkstätte gehören unter anderem die Halle der Erinnerung mit der Gedenkflamme für die sechs Millionen ermordeten Juden sowie ein Holocaust-Museum.

Die 1953 eröffnete Gedenkstätte hatte bis in die 90er Jahre keine offiziellen Beziehungen zu Deutschland. Anschließend erhielt die Gedenkstätte nach Angaben des Auswärtigen Amts über Projektförderung knapp fünf Millionen Euro von der Bundesregierung. Diese Hilfe lief aber 2009 aus. Mit dem jetzt abgeschlossenen Vertrag soll die Unterstützung erstmals langfristig gesichert werden.

Lieberman bedankt sich bei Westerwelle

Im Mittelpunkt der politischen Gespräche Westerwelles in Israel und den Palästinensergebieten stehen der stockende Nahost-Konflikt und der Atomstreit mit dem Iran. Am Dienstagabend traf sich der Minister mit seinem israelische Amtskollegen Avigdor Lieberman, der Deutschland eine wichtige Rolle im Nahen Osten beimaß. „Die Position Ihres Landes ist entscheidend für die Zukunft dieser Region“, sagte er zu Westerwelle. Er hoffe, dass es irgendwann einmal einen vereinigten Nahen Osten geben werde, so wie es heute schon ein vereinigtes Europa gebe.

Lieberman bedankte sich beim deutschen Außenminister für die Verschärfung der EU-Sanktionen gegen den Iran. Westerwelle versicherte, dass Deutschland seinen Kurs gegen das iranische Atomprogramm beibehalten werde. „Die Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt könnte durch dieses Programm erschüttert werden“, sagte er.

Am Mittwochnachmittag standen Gespräche mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf dem Programm Westerwelles. Israel und die Palästinensergebiete sind die letzten beiden Stationen seiner fünftägigen Nahost-Reise. Am Donnerstag fliegt er nach Deutschland zurück.

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